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Bürgerrechte!!!

Gerade habe ich auf Spiegel einen Artikel über eine kleine Demonstration im Herzen Pekings gelesen.  Die Demonstration ist der Gipfel in einem seit Monaten andauernden Protest gegen die Räumung eines  Künstlerquartiers im Osten der Stadt. Trotz langfristiger Mietverträge, privater Investitionen und Engagement wurden die dort ansässigen Künstler vor die Tür gesetzt, allerdings nicht ohne deren Widerstand,  letztendlich wurden Schläger angeheuert um den Wünschen des Investors oder wem auch immer das Land jetzt gehört zum Erfolg zu helfen.

Bürgerrechte

Das Interessante an der Sache ist aber, dass ich bereits vor einigen Wochen, in der Global Times einen  Artikel darüber gelesen habe. Wäre ja weiter nichts besonderes, wenn nicht die Global Times eine Zeitung wäre die unter der Federführung der kommunistischen Partei erscheinen würde  und es ist nicht das erste mal das ich mich über deren offene, teilweise kritische Berichterstattung wundere. Man könnte meinen das es der Versuch ist nach Außen offen und fair zu wirken, den der normale Chinese wird die Englische Version der GT nur sehr selten lesen und was in der Chinesischen Version steht ist wohl etwas ganz anderes.

Hier Artikel der GT zum Thema.

Evicted artists stand against ‘coldest winter’

Artists confronted by thugs over demolition

Twenty artists demonstrate in downtown Beijing

Ich wünsche den Demonstranten in Ihrem Anliegen nach mehr Bürgerrechten viel Erfolg!

Die Mauer muss weg!

Die Chinesen sind ein sehr pragmatisches Volk und oftmals verblüffend simpel bei Problemlösungen. In der Nähe des Himmelstempels, Tian Tan, soll noch eine Shopping Mall gebaut werden. Um das Areal wurde bereits eine Mauer gezogen, bestehende Bebauung teilweise abgerissen.  Aber für so manchen noch existierenden Ladenbesitzer ist so eine Mauer direkt vor der Tür doch irgendwie ein Ärgernis, also muss die Mauer wieder weg, so einfach ist das.

Die Mauer muss weg!

Fuzhou – san fang qi xiang

oder auf Deutsch drei Strassen und sieben Gassen nennt sich ein etwa 40 Hektar großes historisches Wohngebiet im Zentrum Fuzhous. Das Viertel und die Anordnung der Strassen und Gassen soll seinen Ursprung vor etwa 1000 Jahren in der Tang und Song Dynastie haben, architektonisch ist es eher von der Ming und Qing Dynastie geprägt. Die Häuser wurden hauptsächlich von wohlhabenden Beamten, Gelehrten und Geschäftsleuten gebaut und bewohnt. Heute sind viele der Gebäude baufällig und renovierungsbedürftig und wie es in China halt so ist, da wird nicht lange gefackelt, nein es wird abgefackelt, besser gesagt abgerissen. So verschwindet Jahrhunderte alte Bausubstanz und wird einfach durch Neubauten im alten Still ersetzt, man gibt sich zwar sichtlich Mühe, aber frei nach Bert Brecht: “Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint.”. Es wird so ganz nach dem Motto was Peking mit seiner Qianmen Strasse kann, können wir auch gehandelt.
In Qianmen hat übrigens vor kurzem Beijings erster und Chinas zweiter H&M eröffnet, ansonsten steht die Mehrzahl der Läden immer noch leer, aber trotzdem Massenweise Leute unterwegs da, um zusehen das es nichts zu sehen gibt.
Was mich immer mit Freude erfüllt, ist das es immer einige wenige gibt die sich mit dem gedankenlosen Abriss nicht einverstanden geben, sich organisieren und dagegen protestieren. Übersetzt steht so in etwa “Wir dürfen das Leben von Menschen nicht dem Gewinnstreben und der Entwicklung von Unternehmen opfern” an der Hauswand.Widerstand

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Hutong bye bye, welcome Disneyland!

Wer “Unsere Dorf soll schöner werden” spielt, muss auch mal ganze Viertel abreißen und tausende Menschen vertreiben können.  Über Qianmen, ein Viertel südlich des “Platz des himmlischen Friedens”, dessen Rekonstruktion bzw. Konvertierung zur Einkaufsmeile, habe ich ja schon öfter mal geschrieben. Nun ist das RMB 300 Mio. Projekt so gut wie fertig und ich habe mir das am Sonntag mal angeschaut.
Das es ein kommerzieller Erfolg werden wird, noch sind schätzungsweise 95% der Läden nicht eröffnet, ist angesichts der Besucherzahlen wohl zu erwarten. Da sollen sich an einem einzigen Samstag um die 310.000 Leute getummelt haben. Um die Besuchermassen in der Strasse zu begrenzen bzw. die Anzahl der Sicherheitskräfte anzupassen, wurde/wird ein vier Stufen System eingeführt, rot bedeutet mehr als 18.000 und keiner kommt mehr rein…

Auch am Sonntag war es nicht gerade einsam in Pekings neuer Disneyland Einkaufsmeile. Die Shop Fassaden sollen alten Vorbildern entsprechen, zum Beweis wurden an einigen Fassaden Bilder der original Gebäude aufgehängt, welche dort um 1920-30 gestanden haben. Um das ganze stilecht abzurunden wurde Strassen-Mobiliar im China Look aufgestellt. Vermisst hab ich eigentlich nur kostümierte Chinesen in überdimensionalen Drachen- und Chinesenplueschverkleidungen, die zum Vergnügen der Touristen rumlaufen und Spaesschen machen so wie Goofy in Disneyland, das wäre doch so niedlich. Das ganze hat den kulissenhaften Charm eines Spaghetti-Western und ist trotz der vielen Besucher genauso tot. Für eine Hand voll Dollar, kann man hier anscheinend so einiges anstellen. Das einzig positive was man dem Projekt anrechnen kann ist, dass es sich um eine autofreie Zone handelt.

Dazu gibt es auch wieder ein New York Times Artikel aus dem Jahre 2006 als Pdf. The New York Times – Olympics imperil historic beijing neighborhood

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Aufräumen

das große Aufräumen für die olympischen Spiele scheint langsam in Peking zu beginnen. So verschwinden nicht nur die lieben Nachbarn des Premierministers, wie auf John Kennedys Blog nach zu lesen ist, sondern auch für alle sich in Peking aufhaltenden Ausländer ist es notwendig sich polizeilich registrieren zu lassen. War vorher auch schon notwendig, aber es wird jetzt wohl auch überprüft ob eine gültige Meldebescheinigung vorliegt, wie mir Freunde berichtet haben, die Besuch von der Polizei bekommen haben. Wie mir ein kleines Vögelchen gezwitschert hat ist es auch nicht mehr ganz so einfach sein Visa verlängern zu lassen oder in andere Visa Typen zu konvertieren. Desweiteren enden die meisten Visa wohl unmittelbar vor den Spielen. Gibt sowieso zu viele Englischlehrer hier und viele davon würde ich auch nicht auf meine Party einladen 😉

 

Servus

Registration